Der Begriff "Geschichte" hat sich, etymologisch gesehen, aus dem Wort "Geschehen" entwickelt,
was auch von der Sache her nahe liegt. Geschichte hat mit Geschehenem, Vergangenem zu tun, gerade für junge
Menschen jedoch eine Dimension, die dem Hier und Jetzt ihrer Erlebniswelt oft kontrastiert. Geschichte ist in dieser
Sicht nicht selten eine Gruft für Vorkommnisse, die man allenfalls wie ein Raritätenkabinett beschaut.
Die Sicht auf das Geschichtliche gleicht so dem Blick durch ein umgekehrtes Fernglas, bei dem alles verschwindend
klein erscheint. Aufgabe des Geschichtsunterrichts ist es demnach, das Umdrehen des Fernglases anzuregen, das für
die Gegenwart Bedeutungsvolle scharf heranzuholen und dadurch ein besseres Verständnis der augenblicklichen
Situation zu befördern. Dabei wird man selbstverständlich auf den Entwicklungsstand der Schüler
Rücksicht zu nehmen haben. So können mit dem Eintritt in die Oberschule durchaus noch die
Raritätenschau und das Personalisieren Methoden sein, das Vergangene interessant zu machen. Dies sollte mit dem
wachsenden Alter der Schüler übergehen in eine Auseinandersetzung mit grundsätzlich wesentlichen
Strukturen und historisch folgeträchtigen Phänomenen, so dass das Es-war-einmal fruchtbar wird in der
Erkenntnis des Ach-so-ist-es.
Aufbauend auf dem Unterricht in der Grundschule, setzt der Rahmenplan für die Sekundarstufe I der Oberschule ein
mit dem Beginn des Mittelalters, mit dem Übergang des Römischen Reiches auf das Frankenreich. Die
Veränderungen in der frühen Neuzeit, der Absolutismus, die bürgerlichen Revolutionen, die
Nationalstaatenverfestigung und die Weltkriege des 20. Jahrhunderts sowie die Zeitgeschichte nach 1945 sind
herausragende Wegmarkierungen beim Durchlauf bis zum Ende der 10. Klasse. In der weiteren Arbeit auf der Oberstufe
werden dann Aspekte der (vorwiegend europäischen) Entwicklung wiederholt und vertieft. Aus dem homo ludens, dem
spielenden Menschen, den der Schulneuling zunächst darstellte, soll dann ein homo politicus geworden sein
- hoffentlich ohne dass das Spielerische und der Spieltrieb völlig aufgegeben werden.